Duisburger Zentraleinkauf-Chefin soll Steuergelder privat eingesetzt haben

19 September 2011

Mit den Worten „Frauen sind routiniert im Einkaufen“ rühmte man seinerzeit die Idee, eine zentrale Einkaufsabteilung einzurichten und Carmen Scherhag zur Chefin der neuen Behörde zu benennen. Dieser Satz hat sich auf bizarre Art und Weise bestätigt. Frau Scherhag ist nicht nur routiniert sonder geradezu perfekt beim Einkauf: Shopping auf anderer Leute Kosten, besser geht es nicht.

Die Idee

Zu Beginn stand eine gute Idee. Das wilde Durcheinander bei den Bestellungen sollte aufhören, ob Feuerwehrautos, Buntstifte oder Schulbusfahrten, sämtliche Einkäufe sollten zentral erfolgen, um mit größeren Ordern günstigere Preise erzielen zu können. Man war der Meinung, mit Carmen Scherhag die Idealbesetzung für die Leitung der neuen Mammutabteilung gefunden zu haben.

Schlechter Start

Nur kurze Zeit nach Umsetzung des neuen Konzeptes wurde erste Kritik laut: Die Stadt kaufe nach wie vor zu teuer, regelmäßig zu langsam und häufig ineffektiv ein. Das Rechnungsprüfungsamt der Stadt urteilte: „Ein positiver wirtschaftlicher Effekt durch Gründung des ESD ist bisher nicht belegbar.“

Katastrophaler Führungsstil

Verschwendete SteuergelderFrau Scherhag hatte die Befehlsgewalt über insgesamt 75 Mitarbeiter. „Da kann nicht alles reibungslos von Anfang an laufen“ erklärte man im Rathaus auf erste Hinweise zum schlechten Führungsstil der Chefin, die das Wort Befehlsgewalt wohl zu wörtlich nahm. Sie führte nicht, sie befahl! Die Kritik aus den eigenen Reihen wurde lauter, 50 % der Mitarbeiter seien der Abteilungsleitung bereits davongelaufen. Die Zahl wurde von der Stadtverwaltung umgehend auf, immer noch unhaltbare 20 %, revidiert. Diese Zahl fand man offensichtlich selbst in den eigenen Reihen zu hoch, als Begründung wurde eine neue Software, die die Mitarbeiter entlasten würde, nachgeschoben.

Verdacht der Untreue

Nachdem es immer wieder Signale über Ungereimtheiten gab, informierte ein Mitarbeiter, dem einige Rechnungsbeträge auffällig erschienen, das Rechnungsprüfungsamt. Diese Mitarbeiter schauten etwas genauer hin und ermittelten, dass die städtische Angestellte dienstlich nicht belegbare Einkäufe getätigt habe. In der Konsequenz wurde die Leiterin des ESD suspendiert.

Rechnungsprüfbericht

In ihrem Bericht führen die Rechnungsprüfer der Stadt unter anderem fünf private und elf nicht genehmigte Dienstreisen auf, die mit städtischer Kreditkarte beglichen wurden. Weiter kann man dort nachlesen, dass die Kosten für zwei Bewerbungsgespräche in Stuttgart mit der Karte abgerechnet wurden, obwohl diese bereits von der Stadt Stuttgart auf das Privatkonto erstattet wurden.

Das Ende

Die Abteilung wird wieder aufgelöst, gegen Frau Scherhag läuft ein Disziplinarverfahren, Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.